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Geburtstag, Beerdigungsfeier, Besuch und was sonst noch so los war...

Autor: AnnikaHuneke | Datum: 15 Juni 2011, 21:24 | Kommentare deaktiviert

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Es ist Samstag, wie jeden Morgen habe ich Frühstück für alle gemacht, bereits einige Streits geschlichtet und mich über dieses und jenes aufgeregt. Ein Samstagmorgen wie jeder andere also.
Alles läuft seine gewohnten Bahnen. Michelle steht neben mir, lehnt ihren Kopf an meinen und lacht. Marcel redet und redet- ganz unabhängig davon ob ich zuhöre. Stève versucht auf meinen Schoß zu klettern und will nicht verstehen, dass ein Kind auf dem Schoß sich nicht so gut mit dem Schreiben eines Blogeintrages verträgt. Alles wie immer hier. Alles wie jeden Tag.

Seit meinem letzten Eintrag ist natürlich wieder so einiges passiert:

Zu meinem Geburtstag lud ich alle Menschen die mir hier etwas bedeuten ein. So verbrachte ich den gesamten Vormittag damit, Essen für ca. 60Leute zuzubereiten. Das Fest war ein voller Erfolg, wir aßen, tranken, tanzten und freuten uns des Lebens und dankten Gott für dieses. Der Pastor betete ungefähr 10Minuten für mich- so ein langes Gebet hatte ich bisher noch an keinem meiner Geburtstage.

Die Beerdigungsfeier war ein unglaubliches Erlebnis. Eine Nacht mit vielen Frauen vor großen Töpfen am Feuer sitzen, Gemüse schnippeln, Hühner rupfen und ähnliche Festvorbereitungen treffen. Am Folgetag dann die traditionellen Tänze, eine Ziegenopferung und allerlei mir unverständliche Bräuche, die mir auch keiner erklären konnte, da die Bedeutung dieser geheim ist. Ein beeindruckendes Wochenende.

Dann haben mich meine Eltern und meine kleine Schwester besucht. Mit ihnen habe ich hier eine wundervolle Zeit verbracht. Es war toll ihnen mein Leben zu zeigen und mit ihnen Kamerun zu entdecken. Natürlich haben wir einige Zeit bei mir zuhause im AHP²V verbracht. Anschließend sind wir noch in den Regenwald und ans Meer gefahren. So erlebte meine Familie eine Abenteuerreise  und ich erkannte wie viel anfangs merkwürdig und fremdes, nun für mich vollkommen normal und alltäglich geworden ist.

Dann kam ein Monat ohne Strom und Wasser- mit langen, dunklen Abenden und extremen Wassersparen. Also minimale Körperpflege, Durst ignorieren und möglichst wenig Geschirr benutzen. Ich habe immer lieber keinen Strom als kein Wasser- Wasser braucht man einfach ständig. Ob zum Kochen, Trinken, Waschen…immer. Die Gesamtlaune ging bei allen hier stetig nach unten und es war wirklich eine harte, schwere Zeit. Als dann nach ca. 6 Wochen endlich wieder Strom nach Baham floss, floss kurz darauf auch wieder das Wasser. Seit dem geht es mir und allen anderen wieder wesentlich besser und das Leben in Baham ist wieder schöner.

In letzter Zeit haben wir viel im Garten und auf dem Feld gearbeitet.
Anstrengend und ermüdend.
Die letzten Tage habe ich meine Schüler ihre großen Abschlussprüfungen schreiben lassen. Überraschend und erfreulich.
Durch das allmorgendliche Unterrichten, hatte ich die Fortschritte meiner Schüler völlig aus den Augen verloren. Jetzt stelle ich fest, dass sie alle enorme Fortschritte gemacht haben und Esther und ich wohl doch einiges geschafft haben.
Nächste Woche Freitag fahren alle Bewohner nachhause. Die Ferien beginnen. Ruhe kehrt ein. Meine Zeit hier geht zu ende.
Wie ich darüber denke?
Ich finde das gut. Ich brauche Ferien. Ich brauche ein wenig Ruhe und Privatsphäre. Ich liebe meine Leute hier sehr, sie sind wie Geschwister für mich, wir bilden eine Familie. Aber es wird Zeit für Veränderung. Ich möchte endlich wieder freier sein. Ich möchte endlich mehr von Kamerun sehen. Und dafür bieten mir die Ferien endlich Gelegenheit.
Esther und ich werden in den Norden fahren und an all die anderen Orte von denen uns schon viele Menschen hier vorgeschwärmt haben.
Meine Schwester kommt mich noch besuchen und Mitte Juli fahren wir mit den Bewohnern ans Meer. Eine deutsche Frau, die sich sehr für das AHP²V engagiert, finanziert diese Reise. Und dann heißt es für mich endgültig Abschied nehmen. Das wird bestimmt nicht einfach.
Aber bevor ich meine neue, zweite Heimat hier verlasse, melde ich mich nochmal ;-) Reisen bieten schließlich immer Erzählstoff und zwei Monate bleiben  mir ja noch um das ein oder andere Abenteuer zu erleben.

Bis dahin wünsche ich euch alles Gute, an alle die ihr Abi haben einen herzlichen Glückwunsch!

Wie man hier immer so schön sagt, wenn man sich trennt und auseinander geht: „on est ensemble“ (wir sind zusammen).

Bis ganz bald et que Dieu vous bénisse (und Gottes Segen),

Eure Annika