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Nachtrag: Tradition und Kurruption

Autor: AnnikaHuneke | Datum: 31 März 2011, 17:02 | Kommentare deaktiviert

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Hier noch eine interessante Geschichte aus meinem Leben.

Wenn Leute sterben werden sie beerdigt. Klar. Dann gibt es eine Trauerfeier. Und dann- und das kann auch Jahre nach der Beerdigung sein- gibt es noch eine Feier. Auf dieser Feier wird gegessen, getrunken und getanzt. Und danach ist die Trauerzeit vorbei und der Tote vergessen.

Genau so eine Feier veranstaltet meine kamerunische Familie nächstes Wochenende für den Vater meiner kamerunischen Mama.
Ihr Vater war polygam, hatte 5 Ehefrauen und dementsprechend viele Kinder. Es sind also viele, viele Leute die kommen werden.

Nun gibt es aber eine Art Medizinmann (Marabou) im Dorf der gesagt hat, dass meine Familie noch kein Geld für irgendein Ritual gezahlt hat. Wenn sie jetzt nicht jenes Geld zahlen und noch etwas drauf, zur Besänftigung, dann wird bei der Beerdigungsfeier nicht getanzt werden, sondern alle werden sich streiten und die Feier wird böse enden.
Meine Mama und ihre Geschwister müssen jetzt also schleunigst das Geld für jenen Mann auftreiben, denn nicht zu zahlen und das Risiko eines großen Streites einzugehen (und das dieser, sollte das Geld nicht gegeben werden, durch den Medizinmann ausgelöst wird steht für alle fest) ist absolut indiskutabel.

Ich finde es immer wieder erstaunlich wie sehr der traditionelle Glaube hier lebendig ist. Und wie der traditionelle Glaube mit dem Christentum und dem Islam Hand in Hand geht ist ebenfalls interessant. Meine kamerunische Familie geht regelmäßig in die Kirche, lebt nach christlichen Werten, wir beten abends zusammen und in den meisten Gesprächen geht es früher oder später um Gott. Aber der traditionelle Glaube spielt eine ebenso große Rolle- es ist völlig selbstverständlich, dass Magie existiert, dass es böse Geister gibt und das diese immer wieder das Leben beeinflussen.

Meine kamerunische Schwester war der festen Überzeugung, dass Harry Potter eine wahre Geschichte ist, und ich konnte sie bis heute nicht richtig vom Gegenteil überzeugen. Denn wie sollte sich denn jemand so eine Geschichte ausdenken? Wer von Magie und Zauberei und bösen Mächten schreibt, der muss selbst solche praktizieren. Aha.

Fakt ist, traditioneller Glaube hat hier Realität und für mich ist es immer schwer damit umzugehen, da in meiner Kultur derartiges ja eher weniger ernst genommen wird. Wenn mir hier also gebildete, erwachsene und absolut lebenserfahrene Menschen von einer Begegnung mit einem bösen Geist erzählen, bleibt mir nur, mit großen Augen zuzuhören.

 

les nouvelles de ma vie

Autor: AnnikaHuneke | Datum: 28 März 2011, 21:02 | Kommentare deaktiviert

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Hallo ihr lieben in der Ferne,

schon wieder hab ich so viel erlebt, dass es mir schwer fällt alles zu erzählen.

Ich durfte mich eine Woche auf meinem Zwischenseminar In Kribi (Paradiesstrand, Palmen, warmes Meer und Sonne) erholen. Es tat gut sich mit anderen Freiwilligen auszutauschen und sich und sein Leben hier zu reflektieren. Noch besser waren jedoch die nachmittäglichen Wasserballspiele und die abendlichen am Lagerfeuer am Strand.

Ende Januar fand unsere Weihnachtsfeier (besser spät als nie) statt. Nach Wochenlangen Theater- Sing- und Gedichtsaufsag- Proben sowie großen Koch- und Putzaktionen war es endlich soweit. Vor vielen Gästen führten wir unser Programm auf, aßen anschließend und feierten die Geburt Jesu. Das Fest war ein voller Erfolg, alle waren zufrieden und ich bin froh, nicht mehr täglich die immer gleichen Lieder zu singen.

Einige Wochen später erklomm ich gemeinsam mit ca. 18 anderen Freiwilligen den Gipfel des Mount Cameroons (4095m). Jeder hatte einen „Porter“, der Trinkrationen und Rucksäcke für uns schleppte. Das fand ich am Anfang merkwürdig und irgendwie unangenehm, später stellte sich dieses aber als überaus sinnvoll heraus- ohne meinen Porter Simon hätte ich die Tour nie geschafft.
3Tage wanderten, kletterten und stolperten wir auf dem Berg herum, abends schliefen wir in Berghütten oder Zelten, Tagsüber ernährten wir uns hauptsächlich von Schokolade und ich dachte oft „ich will nicht mehr und kann nicht mehr“. Mit diesem Gedanken war ich aber glücklicherweise nicht alleine und durch die allgemeine Demotivation motivierten wir uns gegenseitig.
Ich wanderte durch Regenwald, Savanne, getrocknete Lavafelder und Vulkanlandschaften, anfangs starben wir fast vor Hitze und je näher wir dem Gipfel kamen, desto mehr froren wir, selbst 3Pullis+ Regenjacke hielten der Kälte nicht stand.
Den Gipfel konnten wir leider nicht so richtig genießen. Nebel und Sturm (der mich immer wieder vom Weg wehte und gegen den man hart ankämpfen musste) sorgten dafür, dass unser Führer uns nachdem jeder ein Gipfelfoto geschossen hatte, schleunigst wieder runter jagte.
Die Besteigung des Mount Cameroons gehört wohl zu den anstrengendsten Erlebnissen meines Lebens- hat sich aber trotzdem absolut gelohnt.

Mittlerweile teile ich mir mein Zimmer mit meiner kamerunischen Schwester Christelle (warum ist auch mir ein Rätsel, aber als Schwestern teilt man hier alles- also ist automatisch mein Zimmer anscheinend auch ihr Zimmer). Das hat gute und schlechte Seiten. Mein Zimmer ist im Grunde winzig- zu winzig für zwei Personen samt Kleidung und Krimskrams. Außerdem ist Privatsphäre nun ein totales Fremdwort geworden, ich bin nie für mich und manchmal gehen wir uns ganz schön auf den Geist. Sich nicht mehr zurückziehen zu können und mal ne „Kamerun-Kultur-Pause“ einzulegen ist ganz schön hart. Aber es ist auch schön einfach alles miteinander zu teilen, abends gemeinsam zu beten und zu quatschen.

Neuerdings unterrichte ich 2mal die Woche Informatik. Mit Computern habe ich mich noch nie sonderlich gut verstanden, deswegen bereitete mir diese Aufgabe anfangs einige Sorgen. Aber Menschen, die noch nie in ihrem Leben einen Computer berührt haben den Umgang damit beizubringen schaffe ich besser, als ich dachte. Sehr nervig sind allerdings die vielen Stromausfälle.
Zur Zeit haben wir hier in Baham öfter keinen Strom und kein Wasser, als dass wir welches haben.
Besonders lange Zeit ohne Wasser auszukommen bereitet viele Probleme, denn einen Wasservorrat für ca. 25 Leute vom Brunnen bis zum Centre zu schleppen ist beinahe unmöglich, zumal wir nur 6 Leute sind, die körperlich in der Lage sind Wasser zu schleppen. Und für diese nicht vorhandenen Güter zahlen wir auch noch einen Festpreis- aber mir wurde erklärt: wer sich wehrt und weigert zu zahlen, landet im Gefängnis.

Vor ein paar Tagen war der Imker da. Das AHP²V hat nämlich Bienenstöcke und eine eigene Honigproduktion. So kam es, dass wir einen Tag mit Honig pressen beschäftigt waren- eine klebrigsüße und sehr leckere Angelegenheit. Unser Honig hat einen sehr guten Ruf und ich wage zu behaupten nie besseren Honig gekostet zu haben.

Seit einem Monat habe ich ca. 200 kleine, geflochtene Zöpfe auf dem Kopf. Um diese Rasta-Haarpracht zu bekommen, saß ich 9 (!) Stunden im Friseursalon. Natürlich bestehen meine Zöpfchen nicht aus reinem Eigenhaar (auch die Frisuren der Kameruner bestehen zu mindestens 80% aus Kunsthaar). Aber es hat sich gelohnt, dass Ergebnis ist gut. Ich hatte noch nie in meinem Leben so lange Haare und besonders bei der gegenwärtigen Wasserknappheit ist es praktisch nicht ständig die Haare waschen zu müssen.

Meine kamerunischen Kochkünste werden von Woche zu Woche besser: Meine Sauce Arachide (Erdnusssoße) wurde letztes Wochenende hoch gelobt, ich kann nun Pomme Pilé und Banane Pilé (Kartoffeln oder Bananen mit Bohnen und Palmöl zerstampft) kochen und sogar beim Kui (traditionelle Glibberschleimsoße) habe ich schon assistiert.

Ansonsten läuft hier alles seinen gewohnten Gang, mir geht’s gut, ich fühl mich wohl und total zuhause, die Sonne scheint, der Staub fliegt und die Arbeit ruft.

In diesem Sinne verabschiede ich mich, wünsche euch alles Gute, Gottes Segen, freue mich über Kommentare und Mails, denke an euch und hoffe euch allen geht es ebenso gut wie mir!

Tamouda und Oouoba (Bis Bald und auf Wiedersehen auf Baham)

Eure Annika