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Paaaaartytimes: Traditionelle Feste, Weihnachten und Silvester

Autor: AnnikaHuneke | Datum: 30 Januar 2011, 18:01 | Kommentare deaktiviert

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Olila ihr Lieben!

Frohes neues, gesegnetes Jahr an euch alle, Ipongo (um es auch auf Stammessprache zu sagen)!

Viel ist passiert, es gibt viel zu erzählen und irgendwie gehen die Erlebnisse und Abendteuer immer weiter (wie soll man da denn noch zu regelmäßigen Blogeinträgen kommen?! Naja, ich hab mir trotzdem mal vorgenommen wieder fleißiger zu schreiben):

Ich war auf einigen traditionellen Festen, zum Beispiel auf dem alle zwei Jahre stattfindenden „Ngoun“ in Foumban. Dort habe ich  interessante Rituale staunend beobachtet, den Sultan von Foumban angehört, die absolute Bevorzugung aufgrund meiner Hautfarbe erlebt (in großen Menschenmengen werde ich nämlich grundsätzlich nach vorne gewunken), wunderbare Einblicke in die Kultur Kameruns gewonnen, mich plötzlich unter vielen weißen Freiwilligen befunden (große Feste lässt sich ja niemand entgehen, und als weiße Freiwillige hat man einen Blick für gleichartige) und ein tolles Wochenende verbracht.

Von der Adventszeit habe ich recht wenig mitbekommen, vielen ist das Wort hier ein Rätsel. Um etwas von der deutschen Kultur weiterzugeben, haben Esther und ich einen großen Adventskalender fürs AHP²V gebastelt. Jeder der Bewohner durfte an einem Tag ein Afrikastoff-Säckchen öffnen und fand darin dann einen Bleistift, einen Kugelschreiber und Bonbons. Besonders die Stifte waren eine absolut sinnvolle Sache. Es passiert nun nämlich wesentlich seltener, dass morgens um 6.30Uhr Kinder in mein Zimmer stürmen und verzweifelt um einen Stift bitten. Außerdem haben wir eine große Sternbastelaktion gemacht, sodass der Gemeinschaftsraum einen leicht weihnachtlichen Touch bekam.

Und dann war Weihnachten plötzlich da.
Ich feierte, zusammen mit Esther, bei meiner kamerunischen Familie. Den 24. backten wir dort Kuchen, schnippelten so dies und das, aßen Kui (schmeckt nach Teebaumöl und hat eine glibbrigklebrige Konsistenz, kling aber schlimmer als es ist) mit Couscous und beschlossen dann aufgrund eines Stromausfalles nicht zur Kirche zu gehen. Als der Strom dann wieder kam gingen wir aber doch. In der Kirche herrschte Stimmung wie in einer Disko- der Gottesdienst war schon vorbei aber die Kindergottesdienstkinder hatten ihre Aufführung, sie sangen und tanzten und rezitierten Texte und so, leider fiel direkt nach Beginn der Aufführung wieder der Strom aus, sodass man nichts mehr sehen konnte und auch die Musik nicht mehr spielte. Also gingen wir nach Hause, spielten noch ein wenig Karten und legten uns dann ins Bett um zu schlafen.
Am 25. Standen wir gegen 6Uhr auf um weiter zu kochen, gingen dann in den einen eher langweiligen und ca. 3 ½ stündigen Gottesdienst. Danach aßen wir zuhause unser mühsam hergestelltes Essen (wobei Kochen hier ja immer eine Großaktion ist) und mein kamerunisches Weihnachten verabschiedete sich genauso sang und klanglos, wie es sich angeschlichen hatte. Eine interessante Erfahrung- trotzdem freu ich mich schon auf nächstes Jahr ;-) !

Dass was wir Silvester nennen, die Feierei und das Feuerwerk und all das gibt’s hier so nicht. Am 31. Feiert man mit seinem Partner. Da es hier vor der Hochzeit aber offiziell und in der Regel keine Beziehungen vor der Ehe gibt, geht man also mit seiner Frau/Mann bzw. seinen vielen Frauen (hier gibt’s ja Ploygamie) aus. Wer nicht verheiratet ist bleibt eigentlich zuhause. Da Ferien waren, waren nur Esther, drei Bewohner und Ich da. Wir aßen gemeinsam Abendessen und während die Bewohner Fernsehen schauten machten Esther und Ich, um wenigstens etwas Stimmung zu haben, Bleigießen mit Wachs. Um 12 Überredeten wir die Bewohner mit uns rauszugehen und „Bonne anneé“ zu rufen. Und dann ging ich noch in die Kirche. Da haben wir gebetet und gesungen und jeder hat einen kleinen Zettel mit einem Bibelvers bekommen. Das war wunderschön und hat den ganzen langweiligen feierfreien Abend wett gemacht. Nach der Neujahrsandacht gingen wir alle vor die Kirche und tranken zusammen Foléré, ein leckerer Pflanzensaft.
Am Neujahrsmorgen stand ich um 6.30Uhr auf um bei meinen Arbeitskollegen George zu besuchen und seiner Frau beim Taro machen zu helfen. Taro ist hier das traditionelle Feiertagsgericht und ich hatte noch nie gesehen wie das gemacht wird. Also stapfte ich zu dem kleinen Lehmhaus in dem George mit seiner Frau und seinen 5 Kindern lebt und verbrachte die Zeit bis zur Kirche in einer kleinen Küche vorm offenen Feuer. Das war sehr nett und ein guter Start ins Jahr wie. Anschließend ging ich mit Georges Familie zusammen zur Kirche. Leider waren wir nur 3 Leute aus unserem Chor, sodass total auffiel, dass ich den Text nicht konnte und den Tanzschritt auch nur mäßig beherrschte…peinlich. Naja, der Gottesdienst war trotzdem sehr schön und immerhin hatten die Leute was zu lachen ;-)
Anschließend ging ich  zu George zum essen. Taro ist von der Konsistenz und auch ein bisschen vom Geschmack her wie die Paste die man beim Kieferorthopäden für den Abdruck in den Mund geschmiert bekommt. Das isst man kalt, zusammen mit einer kalten gelben Soße, die ich leider nicht übermäßig lecker finde- gut, dass Feste was Besonderes sind und man hier nicht ständig Taro isst ;-)  Abends wollten wir mit unserer kamerunischen Familie und den im Zentrum gebliebenen Bewohnern und Georges Familie feiern. MaDé (meine kamerunische Mama) machte Taro (hmmm jah…) und Reis und eine schwarze Soße, deren Namen ich immer vergesse und ich und Esther machten Kartoffelsalat und zum Nachtisch für alle Pfannkuchen mit Schoki, Zimt und Zucker. Das war ein wunderschöner Neujahrsabend, an dem wir alle viel Spaß hatten und viel zu viel gegessen haben. Als die Feier dann zu Ende war, machte ich mich mit Ghislin, Issa und Joseph (die hier im Centre wohnen) auf den Weg zum Carrefour, der Innenstadt von Baham, so zu sagen. Denn Neujahr dürfen auch Nichtverheiratete feiern gehen. Also gingen wir ins „Hotel Palace“, die Disco von Baham. Vor der Disco stand eine lange Schlange und wie das hier meistens so ist, wurde ich als weiße wieder durchgewunken, als wenn ich aufgrund meiner Hautfarbe nicht wie alle anderen warten könnte…Naja, und dann gings rund. Erst war noch alles ganz gut aber dann fing es an mir auf den Geist zu gehen, dass die Kerle mich ständig auf unangenehme Weise antanzten und ich immer nur damit beschäftigt war, irgendwem klar zu machen, dass ich nicht mit ihm tanzen will. Meine Begleiter vom Centre mussten richtig um mich kämpfen und so hatte ich irgendwann keinerlei Freiheit mehr beim Tanzen und fand es dann ganz doof und schnappte mir ein Moto und fuhr nachhause. Als einzige Weiße in eine Disco möchte ich jedenfalls nicht nochmal gehen. Aber trotzdem war es ein netter Abend und insgesamt auf jeden Fall ein guter Start-Tag ins neue Jahr.

Jetzt sind die Ferien schon wieder vorbei, alles geht seinen gewohnten Gang… wobei- im Moment steht einfach wahnsinnsviel auf dem Programm, sodass der Alltag niemals lange andauert.

Ich war zum Beispiel auf meinem einwöchigen Zwischenseminar in Kribi am Meer, wir hatten vor einigen Tagen unserer große Weihnachtsfeier hier im Zentrum (besser spät als nie…), gestern Abend war ich auf einer Hochzeitsfeier und nächste Woche mache ich eine 3-Tägige Wanderung auf den Mount Cameroon. Das möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten- aber für jetzt und hier und heute müsst ihr euch so zufrieden geben. Den Rest berichte ich im nächsten Eintrag, der bereits in Planung ist und ganz bestimmt auch schneller kommt als der hier.

Und jetzt ist eine Freundin aufgetaucht, die dringend meine Deutschkenntnisse für eine Übersetzung für die Schule braucht- also viel zu tun, ganz nach meinem Geschmack ;-)

Alles Gute aus dem nun sonnigwarmen und staubigen Kamerun,

eure Annika