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Geburtstag, Beerdigungsfeier, Besuch und was sonst noch so los war...

Autor: AnnikaHuneke | Datum: 15 Juni 2011, 21:24 | Kommentare deaktiviert

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Es ist Samstag, wie jeden Morgen habe ich Frühstück für alle gemacht, bereits einige Streits geschlichtet und mich über dieses und jenes aufgeregt. Ein Samstagmorgen wie jeder andere also.
Alles läuft seine gewohnten Bahnen. Michelle steht neben mir, lehnt ihren Kopf an meinen und lacht. Marcel redet und redet- ganz unabhängig davon ob ich zuhöre. Stève versucht auf meinen Schoß zu klettern und will nicht verstehen, dass ein Kind auf dem Schoß sich nicht so gut mit dem Schreiben eines Blogeintrages verträgt. Alles wie immer hier. Alles wie jeden Tag.

Seit meinem letzten Eintrag ist natürlich wieder so einiges passiert:

Zu meinem Geburtstag lud ich alle Menschen die mir hier etwas bedeuten ein. So verbrachte ich den gesamten Vormittag damit, Essen für ca. 60Leute zuzubereiten. Das Fest war ein voller Erfolg, wir aßen, tranken, tanzten und freuten uns des Lebens und dankten Gott für dieses. Der Pastor betete ungefähr 10Minuten für mich- so ein langes Gebet hatte ich bisher noch an keinem meiner Geburtstage.

Die Beerdigungsfeier war ein unglaubliches Erlebnis. Eine Nacht mit vielen Frauen vor großen Töpfen am Feuer sitzen, Gemüse schnippeln, Hühner rupfen und ähnliche Festvorbereitungen treffen. Am Folgetag dann die traditionellen Tänze, eine Ziegenopferung und allerlei mir unverständliche Bräuche, die mir auch keiner erklären konnte, da die Bedeutung dieser geheim ist. Ein beeindruckendes Wochenende.

Dann haben mich meine Eltern und meine kleine Schwester besucht. Mit ihnen habe ich hier eine wundervolle Zeit verbracht. Es war toll ihnen mein Leben zu zeigen und mit ihnen Kamerun zu entdecken. Natürlich haben wir einige Zeit bei mir zuhause im AHP²V verbracht. Anschließend sind wir noch in den Regenwald und ans Meer gefahren. So erlebte meine Familie eine Abenteuerreise  und ich erkannte wie viel anfangs merkwürdig und fremdes, nun für mich vollkommen normal und alltäglich geworden ist.

Dann kam ein Monat ohne Strom und Wasser- mit langen, dunklen Abenden und extremen Wassersparen. Also minimale Körperpflege, Durst ignorieren und möglichst wenig Geschirr benutzen. Ich habe immer lieber keinen Strom als kein Wasser- Wasser braucht man einfach ständig. Ob zum Kochen, Trinken, Waschen…immer. Die Gesamtlaune ging bei allen hier stetig nach unten und es war wirklich eine harte, schwere Zeit. Als dann nach ca. 6 Wochen endlich wieder Strom nach Baham floss, floss kurz darauf auch wieder das Wasser. Seit dem geht es mir und allen anderen wieder wesentlich besser und das Leben in Baham ist wieder schöner.

In letzter Zeit haben wir viel im Garten und auf dem Feld gearbeitet.
Anstrengend und ermüdend.
Die letzten Tage habe ich meine Schüler ihre großen Abschlussprüfungen schreiben lassen. Überraschend und erfreulich.
Durch das allmorgendliche Unterrichten, hatte ich die Fortschritte meiner Schüler völlig aus den Augen verloren. Jetzt stelle ich fest, dass sie alle enorme Fortschritte gemacht haben und Esther und ich wohl doch einiges geschafft haben.
Nächste Woche Freitag fahren alle Bewohner nachhause. Die Ferien beginnen. Ruhe kehrt ein. Meine Zeit hier geht zu ende.
Wie ich darüber denke?
Ich finde das gut. Ich brauche Ferien. Ich brauche ein wenig Ruhe und Privatsphäre. Ich liebe meine Leute hier sehr, sie sind wie Geschwister für mich, wir bilden eine Familie. Aber es wird Zeit für Veränderung. Ich möchte endlich wieder freier sein. Ich möchte endlich mehr von Kamerun sehen. Und dafür bieten mir die Ferien endlich Gelegenheit.
Esther und ich werden in den Norden fahren und an all die anderen Orte von denen uns schon viele Menschen hier vorgeschwärmt haben.
Meine Schwester kommt mich noch besuchen und Mitte Juli fahren wir mit den Bewohnern ans Meer. Eine deutsche Frau, die sich sehr für das AHP²V engagiert, finanziert diese Reise. Und dann heißt es für mich endgültig Abschied nehmen. Das wird bestimmt nicht einfach.
Aber bevor ich meine neue, zweite Heimat hier verlasse, melde ich mich nochmal ;-) Reisen bieten schließlich immer Erzählstoff und zwei Monate bleiben  mir ja noch um das ein oder andere Abenteuer zu erleben.

Bis dahin wünsche ich euch alles Gute, an alle die ihr Abi haben einen herzlichen Glückwunsch!

Wie man hier immer so schön sagt, wenn man sich trennt und auseinander geht: „on est ensemble“ (wir sind zusammen).

Bis ganz bald et que Dieu vous bénisse (und Gottes Segen),

Eure Annika

 

Nachtrag: Tradition und Kurruption

Autor: AnnikaHuneke | Datum: 31 März 2011, 17:02 | Kommentare deaktiviert

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Hier noch eine interessante Geschichte aus meinem Leben.

Wenn Leute sterben werden sie beerdigt. Klar. Dann gibt es eine Trauerfeier. Und dann- und das kann auch Jahre nach der Beerdigung sein- gibt es noch eine Feier. Auf dieser Feier wird gegessen, getrunken und getanzt. Und danach ist die Trauerzeit vorbei und der Tote vergessen.

Genau so eine Feier veranstaltet meine kamerunische Familie nächstes Wochenende für den Vater meiner kamerunischen Mama.
Ihr Vater war polygam, hatte 5 Ehefrauen und dementsprechend viele Kinder. Es sind also viele, viele Leute die kommen werden.

Nun gibt es aber eine Art Medizinmann (Marabou) im Dorf der gesagt hat, dass meine Familie noch kein Geld für irgendein Ritual gezahlt hat. Wenn sie jetzt nicht jenes Geld zahlen und noch etwas drauf, zur Besänftigung, dann wird bei der Beerdigungsfeier nicht getanzt werden, sondern alle werden sich streiten und die Feier wird böse enden.
Meine Mama und ihre Geschwister müssen jetzt also schleunigst das Geld für jenen Mann auftreiben, denn nicht zu zahlen und das Risiko eines großen Streites einzugehen (und das dieser, sollte das Geld nicht gegeben werden, durch den Medizinmann ausgelöst wird steht für alle fest) ist absolut indiskutabel.

Ich finde es immer wieder erstaunlich wie sehr der traditionelle Glaube hier lebendig ist. Und wie der traditionelle Glaube mit dem Christentum und dem Islam Hand in Hand geht ist ebenfalls interessant. Meine kamerunische Familie geht regelmäßig in die Kirche, lebt nach christlichen Werten, wir beten abends zusammen und in den meisten Gesprächen geht es früher oder später um Gott. Aber der traditionelle Glaube spielt eine ebenso große Rolle- es ist völlig selbstverständlich, dass Magie existiert, dass es böse Geister gibt und das diese immer wieder das Leben beeinflussen.

Meine kamerunische Schwester war der festen Überzeugung, dass Harry Potter eine wahre Geschichte ist, und ich konnte sie bis heute nicht richtig vom Gegenteil überzeugen. Denn wie sollte sich denn jemand so eine Geschichte ausdenken? Wer von Magie und Zauberei und bösen Mächten schreibt, der muss selbst solche praktizieren. Aha.

Fakt ist, traditioneller Glaube hat hier Realität und für mich ist es immer schwer damit umzugehen, da in meiner Kultur derartiges ja eher weniger ernst genommen wird. Wenn mir hier also gebildete, erwachsene und absolut lebenserfahrene Menschen von einer Begegnung mit einem bösen Geist erzählen, bleibt mir nur, mit großen Augen zuzuhören.

 

les nouvelles de ma vie

Autor: AnnikaHuneke | Datum: 28 März 2011, 21:02 | Kommentare deaktiviert

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Hallo ihr lieben in der Ferne,

schon wieder hab ich so viel erlebt, dass es mir schwer fällt alles zu erzählen.

Ich durfte mich eine Woche auf meinem Zwischenseminar In Kribi (Paradiesstrand, Palmen, warmes Meer und Sonne) erholen. Es tat gut sich mit anderen Freiwilligen auszutauschen und sich und sein Leben hier zu reflektieren. Noch besser waren jedoch die nachmittäglichen Wasserballspiele und die abendlichen am Lagerfeuer am Strand.

Ende Januar fand unsere Weihnachtsfeier (besser spät als nie) statt. Nach Wochenlangen Theater- Sing- und Gedichtsaufsag- Proben sowie großen Koch- und Putzaktionen war es endlich soweit. Vor vielen Gästen führten wir unser Programm auf, aßen anschließend und feierten die Geburt Jesu. Das Fest war ein voller Erfolg, alle waren zufrieden und ich bin froh, nicht mehr täglich die immer gleichen Lieder zu singen.

Einige Wochen später erklomm ich gemeinsam mit ca. 18 anderen Freiwilligen den Gipfel des Mount Cameroons (4095m). Jeder hatte einen „Porter“, der Trinkrationen und Rucksäcke für uns schleppte. Das fand ich am Anfang merkwürdig und irgendwie unangenehm, später stellte sich dieses aber als überaus sinnvoll heraus- ohne meinen Porter Simon hätte ich die Tour nie geschafft.
3Tage wanderten, kletterten und stolperten wir auf dem Berg herum, abends schliefen wir in Berghütten oder Zelten, Tagsüber ernährten wir uns hauptsächlich von Schokolade und ich dachte oft „ich will nicht mehr und kann nicht mehr“. Mit diesem Gedanken war ich aber glücklicherweise nicht alleine und durch die allgemeine Demotivation motivierten wir uns gegenseitig.
Ich wanderte durch Regenwald, Savanne, getrocknete Lavafelder und Vulkanlandschaften, anfangs starben wir fast vor Hitze und je näher wir dem Gipfel kamen, desto mehr froren wir, selbst 3Pullis+ Regenjacke hielten der Kälte nicht stand.
Den Gipfel konnten wir leider nicht so richtig genießen. Nebel und Sturm (der mich immer wieder vom Weg wehte und gegen den man hart ankämpfen musste) sorgten dafür, dass unser Führer uns nachdem jeder ein Gipfelfoto geschossen hatte, schleunigst wieder runter jagte.
Die Besteigung des Mount Cameroons gehört wohl zu den anstrengendsten Erlebnissen meines Lebens- hat sich aber trotzdem absolut gelohnt.

Mittlerweile teile ich mir mein Zimmer mit meiner kamerunischen Schwester Christelle (warum ist auch mir ein Rätsel, aber als Schwestern teilt man hier alles- also ist automatisch mein Zimmer anscheinend auch ihr Zimmer). Das hat gute und schlechte Seiten. Mein Zimmer ist im Grunde winzig- zu winzig für zwei Personen samt Kleidung und Krimskrams. Außerdem ist Privatsphäre nun ein totales Fremdwort geworden, ich bin nie für mich und manchmal gehen wir uns ganz schön auf den Geist. Sich nicht mehr zurückziehen zu können und mal ne „Kamerun-Kultur-Pause“ einzulegen ist ganz schön hart. Aber es ist auch schön einfach alles miteinander zu teilen, abends gemeinsam zu beten und zu quatschen.

Neuerdings unterrichte ich 2mal die Woche Informatik. Mit Computern habe ich mich noch nie sonderlich gut verstanden, deswegen bereitete mir diese Aufgabe anfangs einige Sorgen. Aber Menschen, die noch nie in ihrem Leben einen Computer berührt haben den Umgang damit beizubringen schaffe ich besser, als ich dachte. Sehr nervig sind allerdings die vielen Stromausfälle.
Zur Zeit haben wir hier in Baham öfter keinen Strom und kein Wasser, als dass wir welches haben.
Besonders lange Zeit ohne Wasser auszukommen bereitet viele Probleme, denn einen Wasservorrat für ca. 25 Leute vom Brunnen bis zum Centre zu schleppen ist beinahe unmöglich, zumal wir nur 6 Leute sind, die körperlich in der Lage sind Wasser zu schleppen. Und für diese nicht vorhandenen Güter zahlen wir auch noch einen Festpreis- aber mir wurde erklärt: wer sich wehrt und weigert zu zahlen, landet im Gefängnis.

Vor ein paar Tagen war der Imker da. Das AHP²V hat nämlich Bienenstöcke und eine eigene Honigproduktion. So kam es, dass wir einen Tag mit Honig pressen beschäftigt waren- eine klebrigsüße und sehr leckere Angelegenheit. Unser Honig hat einen sehr guten Ruf und ich wage zu behaupten nie besseren Honig gekostet zu haben.

Seit einem Monat habe ich ca. 200 kleine, geflochtene Zöpfe auf dem Kopf. Um diese Rasta-Haarpracht zu bekommen, saß ich 9 (!) Stunden im Friseursalon. Natürlich bestehen meine Zöpfchen nicht aus reinem Eigenhaar (auch die Frisuren der Kameruner bestehen zu mindestens 80% aus Kunsthaar). Aber es hat sich gelohnt, dass Ergebnis ist gut. Ich hatte noch nie in meinem Leben so lange Haare und besonders bei der gegenwärtigen Wasserknappheit ist es praktisch nicht ständig die Haare waschen zu müssen.

Meine kamerunischen Kochkünste werden von Woche zu Woche besser: Meine Sauce Arachide (Erdnusssoße) wurde letztes Wochenende hoch gelobt, ich kann nun Pomme Pilé und Banane Pilé (Kartoffeln oder Bananen mit Bohnen und Palmöl zerstampft) kochen und sogar beim Kui (traditionelle Glibberschleimsoße) habe ich schon assistiert.

Ansonsten läuft hier alles seinen gewohnten Gang, mir geht’s gut, ich fühl mich wohl und total zuhause, die Sonne scheint, der Staub fliegt und die Arbeit ruft.

In diesem Sinne verabschiede ich mich, wünsche euch alles Gute, Gottes Segen, freue mich über Kommentare und Mails, denke an euch und hoffe euch allen geht es ebenso gut wie mir!

Tamouda und Oouoba (Bis Bald und auf Wiedersehen auf Baham)

Eure Annika

 

Paaaaartytimes: Traditionelle Feste, Weihnachten und Silvester

Autor: AnnikaHuneke | Datum: 30 Januar 2011, 18:01 | Kommentare deaktiviert

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Olila ihr Lieben!

Frohes neues, gesegnetes Jahr an euch alle, Ipongo (um es auch auf Stammessprache zu sagen)!

Viel ist passiert, es gibt viel zu erzählen und irgendwie gehen die Erlebnisse und Abendteuer immer weiter (wie soll man da denn noch zu regelmäßigen Blogeinträgen kommen?! Naja, ich hab mir trotzdem mal vorgenommen wieder fleißiger zu schreiben):

Ich war auf einigen traditionellen Festen, zum Beispiel auf dem alle zwei Jahre stattfindenden „Ngoun“ in Foumban. Dort habe ich  interessante Rituale staunend beobachtet, den Sultan von Foumban angehört, die absolute Bevorzugung aufgrund meiner Hautfarbe erlebt (in großen Menschenmengen werde ich nämlich grundsätzlich nach vorne gewunken), wunderbare Einblicke in die Kultur Kameruns gewonnen, mich plötzlich unter vielen weißen Freiwilligen befunden (große Feste lässt sich ja niemand entgehen, und als weiße Freiwillige hat man einen Blick für gleichartige) und ein tolles Wochenende verbracht.

Von der Adventszeit habe ich recht wenig mitbekommen, vielen ist das Wort hier ein Rätsel. Um etwas von der deutschen Kultur weiterzugeben, haben Esther und ich einen großen Adventskalender fürs AHP²V gebastelt. Jeder der Bewohner durfte an einem Tag ein Afrikastoff-Säckchen öffnen und fand darin dann einen Bleistift, einen Kugelschreiber und Bonbons. Besonders die Stifte waren eine absolut sinnvolle Sache. Es passiert nun nämlich wesentlich seltener, dass morgens um 6.30Uhr Kinder in mein Zimmer stürmen und verzweifelt um einen Stift bitten. Außerdem haben wir eine große Sternbastelaktion gemacht, sodass der Gemeinschaftsraum einen leicht weihnachtlichen Touch bekam.

Und dann war Weihnachten plötzlich da.
Ich feierte, zusammen mit Esther, bei meiner kamerunischen Familie. Den 24. backten wir dort Kuchen, schnippelten so dies und das, aßen Kui (schmeckt nach Teebaumöl und hat eine glibbrigklebrige Konsistenz, kling aber schlimmer als es ist) mit Couscous und beschlossen dann aufgrund eines Stromausfalles nicht zur Kirche zu gehen. Als der Strom dann wieder kam gingen wir aber doch. In der Kirche herrschte Stimmung wie in einer Disko- der Gottesdienst war schon vorbei aber die Kindergottesdienstkinder hatten ihre Aufführung, sie sangen und tanzten und rezitierten Texte und so, leider fiel direkt nach Beginn der Aufführung wieder der Strom aus, sodass man nichts mehr sehen konnte und auch die Musik nicht mehr spielte. Also gingen wir nach Hause, spielten noch ein wenig Karten und legten uns dann ins Bett um zu schlafen.
Am 25. Standen wir gegen 6Uhr auf um weiter zu kochen, gingen dann in den einen eher langweiligen und ca. 3 ½ stündigen Gottesdienst. Danach aßen wir zuhause unser mühsam hergestelltes Essen (wobei Kochen hier ja immer eine Großaktion ist) und mein kamerunisches Weihnachten verabschiedete sich genauso sang und klanglos, wie es sich angeschlichen hatte. Eine interessante Erfahrung- trotzdem freu ich mich schon auf nächstes Jahr ;-) !

Dass was wir Silvester nennen, die Feierei und das Feuerwerk und all das gibt’s hier so nicht. Am 31. Feiert man mit seinem Partner. Da es hier vor der Hochzeit aber offiziell und in der Regel keine Beziehungen vor der Ehe gibt, geht man also mit seiner Frau/Mann bzw. seinen vielen Frauen (hier gibt’s ja Ploygamie) aus. Wer nicht verheiratet ist bleibt eigentlich zuhause. Da Ferien waren, waren nur Esther, drei Bewohner und Ich da. Wir aßen gemeinsam Abendessen und während die Bewohner Fernsehen schauten machten Esther und Ich, um wenigstens etwas Stimmung zu haben, Bleigießen mit Wachs. Um 12 Überredeten wir die Bewohner mit uns rauszugehen und „Bonne anneé“ zu rufen. Und dann ging ich noch in die Kirche. Da haben wir gebetet und gesungen und jeder hat einen kleinen Zettel mit einem Bibelvers bekommen. Das war wunderschön und hat den ganzen langweiligen feierfreien Abend wett gemacht. Nach der Neujahrsandacht gingen wir alle vor die Kirche und tranken zusammen Foléré, ein leckerer Pflanzensaft.
Am Neujahrsmorgen stand ich um 6.30Uhr auf um bei meinen Arbeitskollegen George zu besuchen und seiner Frau beim Taro machen zu helfen. Taro ist hier das traditionelle Feiertagsgericht und ich hatte noch nie gesehen wie das gemacht wird. Also stapfte ich zu dem kleinen Lehmhaus in dem George mit seiner Frau und seinen 5 Kindern lebt und verbrachte die Zeit bis zur Kirche in einer kleinen Küche vorm offenen Feuer. Das war sehr nett und ein guter Start ins Jahr wie. Anschließend ging ich mit Georges Familie zusammen zur Kirche. Leider waren wir nur 3 Leute aus unserem Chor, sodass total auffiel, dass ich den Text nicht konnte und den Tanzschritt auch nur mäßig beherrschte…peinlich. Naja, der Gottesdienst war trotzdem sehr schön und immerhin hatten die Leute was zu lachen ;-)
Anschließend ging ich  zu George zum essen. Taro ist von der Konsistenz und auch ein bisschen vom Geschmack her wie die Paste die man beim Kieferorthopäden für den Abdruck in den Mund geschmiert bekommt. Das isst man kalt, zusammen mit einer kalten gelben Soße, die ich leider nicht übermäßig lecker finde- gut, dass Feste was Besonderes sind und man hier nicht ständig Taro isst ;-)  Abends wollten wir mit unserer kamerunischen Familie und den im Zentrum gebliebenen Bewohnern und Georges Familie feiern. MaDé (meine kamerunische Mama) machte Taro (hmmm jah…) und Reis und eine schwarze Soße, deren Namen ich immer vergesse und ich und Esther machten Kartoffelsalat und zum Nachtisch für alle Pfannkuchen mit Schoki, Zimt und Zucker. Das war ein wunderschöner Neujahrsabend, an dem wir alle viel Spaß hatten und viel zu viel gegessen haben. Als die Feier dann zu Ende war, machte ich mich mit Ghislin, Issa und Joseph (die hier im Centre wohnen) auf den Weg zum Carrefour, der Innenstadt von Baham, so zu sagen. Denn Neujahr dürfen auch Nichtverheiratete feiern gehen. Also gingen wir ins „Hotel Palace“, die Disco von Baham. Vor der Disco stand eine lange Schlange und wie das hier meistens so ist, wurde ich als weiße wieder durchgewunken, als wenn ich aufgrund meiner Hautfarbe nicht wie alle anderen warten könnte…Naja, und dann gings rund. Erst war noch alles ganz gut aber dann fing es an mir auf den Geist zu gehen, dass die Kerle mich ständig auf unangenehme Weise antanzten und ich immer nur damit beschäftigt war, irgendwem klar zu machen, dass ich nicht mit ihm tanzen will. Meine Begleiter vom Centre mussten richtig um mich kämpfen und so hatte ich irgendwann keinerlei Freiheit mehr beim Tanzen und fand es dann ganz doof und schnappte mir ein Moto und fuhr nachhause. Als einzige Weiße in eine Disco möchte ich jedenfalls nicht nochmal gehen. Aber trotzdem war es ein netter Abend und insgesamt auf jeden Fall ein guter Start-Tag ins neue Jahr.

Jetzt sind die Ferien schon wieder vorbei, alles geht seinen gewohnten Gang… wobei- im Moment steht einfach wahnsinnsviel auf dem Programm, sodass der Alltag niemals lange andauert.

Ich war zum Beispiel auf meinem einwöchigen Zwischenseminar in Kribi am Meer, wir hatten vor einigen Tagen unserer große Weihnachtsfeier hier im Zentrum (besser spät als nie…), gestern Abend war ich auf einer Hochzeitsfeier und nächste Woche mache ich eine 3-Tägige Wanderung auf den Mount Cameroon. Das möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten- aber für jetzt und hier und heute müsst ihr euch so zufrieden geben. Den Rest berichte ich im nächsten Eintrag, der bereits in Planung ist und ganz bestimmt auch schneller kommt als der hier.

Und jetzt ist eine Freundin aufgetaucht, die dringend meine Deutschkenntnisse für eine Übersetzung für die Schule braucht- also viel zu tun, ganz nach meinem Geschmack ;-)

Alles Gute aus dem nun sonnigwarmen und staubigen Kamerun,

eure Annika

 

Gartenarbeit, Deutschunterricht und Martinssingen

Autor: AnnikaHuneke | Datum: 17 November 2010, 12:48 | Kommentare deaktiviert

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Die Zeit vergeht schnell und plötzlich bin ich schon seit  3Monaten in Kamerun. Langsam beginnt hier die Trockenzeit, es blühen andere Blumen als vorher und während der Regen sich immer seltener blicken lässt, scheint die Sonne nun fast täglich. Seit ca. 2 Wochen arbeite ich jetzt jeden Morgen 2Stunden im Garten. Der ist nämlich total chaotisch und hat eine umfangreiche Grundreinigung nötig. Also jäten wir Unkraut ohne Ende…irgendwie habe ich das Gefühl, dass da wo wir vor 2Wochen gearbeitet haben theoretisch direkt weiter jäten könnten. Nunjah, der Vorteil der Gartenarbeit ist, dass Esther und ich unsere Chaostruppe nur noch eine Stunde täglich unterrichten und somit alles etwas weniger anstrengend und nervenraubend ist. Unsere Schüler beschweren sich jedoch täglich, dass aus ihren Lehrerinnen plötzlich Gärtnerinnen geworden sind, also sollten wir uns mit der Gartenreinigung wohl beeilen. Das Musikprogramm ziehen wir jetzt voll durch. Seit dem schallt ständig das Lied „Aramsamsam“  durchs Centre (vielleicht kennt ihr das? Ich hab´s im Kindergarten gelernt). Jeden Montag und Freitag versammeln wir uns also alle im großen Salon und singen zusammen. Für die älteren wollen wir ab nächste Woche auch noch Blockflötenunterricht anbieten. Dienstags und donnerstags findet im Moment Deutschunterricht statt. Alle sind ganz fleißig und sprechen voller Inbrunst und laut im Chor alle Wörter, die Esther und ich präsentieren, nach (noch stecken wir in der Begrüßungs- und Abschiedsphase). Um den kulturellen Austausch hier noch weiter zu fördern haben wir letzte Woche Martinssingen veranstaltet (den Nordrheinwestfalen unter euch dürfte das ein Begriff sein). Das war eine Idee von einer Kindergottesdiensttruppe aus Wärmelskirchen, die das Centre partnerschaftlich unterstützt. Esther und ich haben also Süßigkeiten gekauft und alle Betreuer hier haben sich damit in verschiedenen Räumen positioniert. Die Bewohner sind dann von Tür zu Tür gezogen und haben gesungen und dafür dann eine Süßigkeit erhalten. Das war ein Riesenspaß für alle, der mit gemeinsamem Lollischlecken endete.
Also, ihr Lieben, mir geht’s gut hier. Ich habe mich gut in meine Aufgaben eingefunden, habe mich daran gewöhnt rund um die Uhr Ansprechpartner für alle und alles zu sein (denn das bin ich automatisch,  weil ich im Centre wohne und dadurch so gut wie immer da bin) aber kann mittlerweile  auch einfach mal meine Zimmertür verschließen und mir eine Pause gönnen (das war am Anfang gar nicht so einfach für mich, ist aber definitiv nötig). Heute ist übrigens „Fête de mouton“  (Schafsfest), das ist muslimisch und hängt mit der Abraham-Sohnopferungs-Geschichte (Gen 22) zusammen. Heute haben also alle in Kamerun frei und wer es sich leisten kann isst ein Schaf. Wir können uns das nicht leisten, genießen den freien Tag aber trotzdem ;-). Das ist hier in Kamerun übrigens ziemlich cool, egal zu welcher Religion man gehört, Feste werden zusammen gefeiert.

Um eure Phantasie nicht all zu sehr in Anspruch zu nehmen und weil ich heute quasi frei und somit viel Zeit habe, lade ich mal noch ein paar Bilder hoch. Viel Spaß beim gucken!

 mit endlich wärmeren Grüßen aus Baham,

eure glücklichzufriedene Annika

 

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